Steckbrief

Herkunft:
Igel gehören zu den ältesten noch existierenden Säugetieren. Ihre Vorfahren lebten schon vor etwa 65 Millionen Jahren. In Deutschland lebt der Braunbrust- oder Westigel (Erinaceus europaes Linné 1758)
Igel sind Nachttiere, Insektenfresser und Winterschläfer.

Vorkommen und Lebensraum:
Sie leben bevorzugt im durchgrünten Siedlungsrandbereich, in Gärten und Parks, die abwechslungsreich gestaltet sind mit: Hecken, Gebüsch, Bodendeckern, Laub- und Reisighaufen. Igel leben bis in Höhen von 1200m ü. M. Die Größe des Lebensraumes ist sehr unterschiedlich. Sie kann bei männlichen Tieren bis zu 100 ha, bei weiblichen Tieren bis zu 30 ha betragen. Während der Nacht legen Igel Wegstrecken von einigen hundert Metern bis zu mehreren Kilometern zurück.
Igel sind Einzelgänger. Dennoch werden überschneidende Lebensräume mit anderen Igeln nicht verteidigt.

Lebenserwartung:
Igel können ca. 7-8 Jahre alt werden, allerdings liegt die durchschnittliche Lebenserwartung lediglich bei 2-4 Jahren, auf Grund der hohen Jung-tiersterblichkeit (ca. 50-80%).

Größe und Gewicht:
Ausgewachsene Igel haben eine Körperlänge von 24 bis 28 cm. Ihr Gewicht liegt zwischen 800 und 1500 Gramm, wobei Männchen in der Regel schwerer als Weibchen sind.

Stacheln:
Bei der Geburt besitzen Igel etwa 100, in die aufgequollene Rückenhaut eingebettete, weiße Stacheln. Erwachsene Igel besitzen rund 6000 bis 8000 braun-beige gebänderte Stacheln.

Die Sinne:

Feinde:
Die natürlichen Feinde der Igel sind: Uhu, Fuchs und Dachs. Hunde stellen für erwachsene Igel, Katzen für Igeljungtiere eine Gefahr dar.
Der Feind Nr. 1 ist allerdings der Mensch. Durch unachtsamen Einsatz von Gartengeräten (Rasenmäher, Tellersensen, Kantenschneider, Mistgabeln und Laubsauger), Straßenverkehr und durch die Eingriffe des Menschen in die Natur, werden die Lebensräume zunehmend zerschnitten und Unterschlüpfe und Nahrungstiere vernichtet. Achtlos weggeworfene Behältnisse wie Büchsen, Becher, Plastiktüten oder Müllsäcke bedeuten jedes Jahr für viele Igel den Tod.
Mehr als 500.000 Igel werden jedes Jahr in Deutschland überfahren; unzählige Igelsäuglinge kommen qualvoll um.

Die natürliche Ernährung:
Die Hauptnahrung der Insektenfresser sind (Auflistung nach prozentualem Volumenanteil): Käfer, Ohrwürmer, Larven von Nachtschmetterlingen, Hundert- und Tausendfüßler, Regenwürmer, Nackt- und Gehäuseschnecken, Asseln, Käferlarven, Schnakenlarven und Grashüpfer.
Pflanzenteile (Fichtennadeln, Früchte des Löwenzahn, Grashalme, Kleeschößlinge, Fingerkraut und Früchte von Ulme und Buche) werden nur zufällig mit tierischer Beute aufgenommen.
Obst, Nüsse und Pilze gehören nicht zur Igelnahrung und werden ausnahmsweise nur in nahrungsarmen Zeiten aufgenommen.

Niemals: Milch anbieten!

Nestbau:
Igel bewohnen im Sommer mehrere, oft nicht besonders sorgfältig errichtete Nester oder ruhen tagsüber nur im hohen Gras. Haltbarer sind die Nester der Igelmütter und ihres Nachwuchses.
Winterschlafnester werden vorwiegend unter stützendem Astwerk angelegt – in Hecken, unter Bodendeckern, unter Gartenhäusern, Schuppen oder Holzstapeln. Der Hauptbaustoff hierfür ist Laub.

Fortpflanzung:
Die Paarungszeit liegt zwischen Mai und August. In Deutschland werden rund 50% aller Igel im August geboren, weitere 30% im September. Zweitwürfe sind nicht ausgeschlossen, aber äußerst selten. Die Tragzeit beträgt 35 Tage. Im Schnitt kommen fünf bis sieben Junge zur Welt. Das Geburtsgewicht beträgt ca. 15-25 Gramm. Augen und Ohren sind bis zum 14. Lebenstag geschlossen. Die Jungtiere werden 42 Tage lang tagsüber gesäugt.
Im Alter von 25 Tagen verlassen die jungen Igel erstmals das Nest und unternehmen kleinere Ausflüge, bei denen erstmals auch feste Nahrung aufgenommen wird. Hierbei sind sie völlig auf sich gestellt. Mit ca. sechs Wochen sind die Jungtiere selbständig und suchen sich ihren eigenen Lebensraum.

Winterschlaf:
Igel fressen sich bis zum Herbst ein Fettpolster als Energiespeicher an. Die Körperfunktionen werden auf ein Minimum herabgesetzt. Igel können so bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen.
Im Winterschlaf sinkt die Herztätigkeit von ca. 180 Schlägen/Minute auf etwa 8 Schläge/Minute. Die Atmung wird auf 3-4mal pro Minute verringert, statt 40-50mal pro Minute. Die Köpertemperatur sinkt von 36 Grad auf 5 Grad ab, ist aber immer höher als die Umgebungstemperatur. Auf mechanische Reize reagieren Igel in dieser Zeit kaum.
Zuerst ziehen sich die Igelmännchen zurück, gefolgt von den Igelweibchen, nachdem diese sich von der Jungtieraufzucht erholt haben. Zuletzt gehen die Jungigel in den Winterschlaf.
Igel verlieren während des Winterschlafes ca. 20-30% ihres Körpergewichtes.

Hilfe für Igel:
Lt. Bundesnaturschutzgesetz in der Fassung vom 25.03.2002 ist es lt. §42, Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten verboten, wildlebende Tiere der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Es ist ferner verboten, Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen. Ausnahmen sind nur zulässig, wenn verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen sind, um diese gesund zu pflegen. Diese Tiere sind unverzüglich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbständig erhalten können.
Personen, die wildlebende Tiere, zu denen der Igel zählt, aufnehmen, sind an das Tierschutzgesetz in der Fassung vom 25.05.1998 gebunden. Hier ist die artgemäße Tierhaltung geregelt. Diese sieht vor, dass, wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, dem Tier angemessene Nahrung und Pflege, sowie eine verhaltensgerechte Unterbringung zu gewährleisten hat. Das artgemäße Bewegungsbedürfnis eines Tieres darf nicht dauernd und so eingeschränkt werden, dass dem Tier vermeidbare Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden können. Außerdem muss über die angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt werden.

Die Pflege und Aufzucht von kranken, untergewichtigen oder verletzten Igeln ist sehr aufwändig und sollte nur von Personen übernommen werden, die über entsprechende Sachkunde verfügen. Igel sind Wildtiere – keine Haustiere und gehören daher nicht in Kinderhände!

Welche Tiere benötigen Hilfe?

  1. Verletzte Igel
    Tiere, die ersichtlich verletzt sind, tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä. ohne Wasser und Futter gefangen waren.
  2. Kranke Igel
    Diese erkennt man meist daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder –liegen. Kranke Tiere sind apathisch, rollen sich kaum ein, sind oft mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen), ihre Augen stehen nicht halbkugelig hervor, sie sind eingefallen. Auf kranken Tieren sitzen oft Schmeißfliegen, die dort ihre Eier ablegen.
    Ausnahmen sind aufgestörte Igel, wenn Laub- oder Reisighaufen entfernt und Holzstapel abgebaut werden; Baumaßnahmen in Gange sind oder Hunde herumstöbern. Manchmal wechseln säugende Igelweibchen tagsüber zwischen Aufzuchtnest und einem weiterem Tagesschlafplatz.
  3. Verwaiste Igelsäuglinge
    Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes aufhalten, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich kühl anfühlen, sind mutterlos und benötigen sofort fachkundige Hilfe.
  4. Igel, die nach Wintereinbruch, d. h. bei Schnee und/oder Dauerfrost herumlaufen
    In diesem Fall handelt es sich zumeist um kranke oder schwache Alttiere. Oft sind es aber auch Jungtiere, die zu spät geboren worden und evtl. auch krank und/oder wegen des geringen Nahrungsangebotes im Herbst kein ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

Igel gefunden – was tun?

  1. Dokumentation
    Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren
  2. Geschlecht des Igels bestimmen
    Das ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, um fest zu stellen, ob es sich um ein säugendes Muttertier handelt. Zur Bestimmung dem Igel sanft über den Rücken streicheln bis er sich ausrollt. Langsam in Seitenlage bringen, damit die Bauchseite sichtbar wird. Bei Männchen liegt der Penis als hautiger Knopf in der Mitte der unteren Körperhälfte. Bei Weibchen ist die Scheide unmittelbar vor dem After.
  3. Igel auf Verletzungen untersuchen
    Bei ersichtlichen Verletzungen sofort einen Tierarzt aufsuchen
  4. Unterkühlte Igel wärmen
    Wenn der Igel sich an der Bauchseite kälter anfühlt als die eigene Hand, liegt eine Unterkühlung vor. Eine gut mit handwarmem Wasser gefüllte, mit einem Handtuch umwickelte, Gummiwärmeflasche in einen passenden, hochwandigen Karton legen. Den Igel darauf setzen und mit einem weiteren Handtuch zudecken.
  5. Fliegeneier, -maden, Flöhe und Zecken entfernen
    Parasiten nisten sich vornehmlich in Wunden oder Körperöffnungen unverletzter, jedoch kranker und schwacher Tiere ein. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Flöhe lassen sich am besten mit einem speziellen Spray aus der Zoohandlung oder vom Tierarzt entfernen.
    Niemals: Flohpuder verwenden!
  6. Unverzüglich Tierarzt oder Igelstation aufsuchen
    Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes. Unterkunft und Nahrung alleine helfen kranken Tieren nicht.
  7. Igelunterkunft mit Schlafhaus einrichten
  8. Füttern – Erstversorgung
    Katzennassfutter oder Rührei mit etwas Öl anbieten, zusätzlich Wasser. Schwachen Tieren muss mit einer Einwegspritze, ohne Kanüle, lauwarmer, ungesüßter Fenchel- oder Kamillentee eingeflößt werden.
    Futterverweigerung in der Nacht nach der Aufnahme, sind ein Fall für den Tierarzt.
  9. Kotuntersuchung
    Zur Abklärung evtl. Innenparasiten bzw. bakterielle Infektionen ist es notwendig, Kot von zwei Tagen zu sammeln und in einem gut verschließbaren Gefäß an ein tiermedizinisches Labor oder einen Tierarzt zur Untersuchung weiterzuleiten.
  10. Freilassung:
    Wurde durch einen Tierarzt oder eine Igelstation festgestellt, dass keinerlei menschliche Hilfe notwendig ist, muss der Igel umgehend an seinen alten Fundort – möglichst in der Abenddämmerung – zurück gebracht werden.

Unterbringung:
Der Einzelgänger Igel benötigt auf jeden Fall eine separate Unterkunft. Jungtiere vertragen sich nur bis zu einem Gewicht von ca. 350 Gramm, danach müssen diese getrennt werden.

Größe:
Ca. 2qm und absolut ausbruchsicher. Die Seitenwände müssen 45 bis 50cm hoch sein.

Material:
Optimal eignen sich Holz-, Span- oder Hartfaserplatten oder mehrere, fest miteinander verbundene, stabile größere Kartons, in deren Seitenwände man kleine Durchgänge schneidet.

Gehegeboden:
Der Boden wird mit mehreren Lagen Zeitungspapier bedeckt, das täglich – am besten morgens - erneuert werden muss.

Niemals: Kleintier- oder Katzenstreu verwenden!

Schlafhäuschen:
Eine gute Wahl ist hier ein zuklappbarer Karton von ca. 30cm Kantenlänge, in den man seitlich ein Schlupfloch von ca. 12x12cm schneidet. Das Häuschen wird mit reichlich zerrissenem und zerknülltem Zeitungs- oder Küchenpapier gefüllt. Der Austausch erfolgt immer dann, wenn das Papier feucht oder verschmutzt ist.

Ungeeignet: Laub, Heu, Stroh, Lappen, Wollsachen, Kleintierstreu!

Standort:
Das Gehege muss für die Zeit der Pflege in einem gut belüftbaren Raum mit Lichteinfall, normaler Luftfeuchtigkeit und Zimmertemperatur (18-20 Grad) stehen. Ungeeignet sind kalte Räume, da hier der Igel seine Energie zum Erhalt seiner Körpertemperatur verbrauchen würde und damit kein Fettpolster aufbaut.

Ungeeignet: Küche, Kinderzimmer, Werkstatt, Garage, die meisten Kellerräume oder der Dachboden (zu laut oder zu kalt)!

Auf keinen Fall dürfen Igel in der Wohnung frei laufen bzw. mit Haustieren in Kontakt kommen. Hier ist die Übertragung von evtl. Krankheiten des Igels auf das Haustier möglich. Auch der Instinkt des Igels, sich bei Gefahr einzurollen, würde bei ständigem Kontakt, mit z. B. einem Hund, abstumpfen was ihn später das Leben kosten könnte.

Ernährung:
Gefüttert wird der Igel einmal täglich am Abend. (Ausnahme: Ein tagsüber umher laufender unruhiger Igel oder geschwächte Tiere, die ihre Nahrung in mehreren kleinen Portionen aufnehmen müssen). Futter und Wasser in kippsicheren Näpfen aus Glas, Porzellan oder glasiertem Ton anbieten. Die Menge variiert und ist abhängig vom Körpergewicht und Gesundheitszustand des Tieres. Ein mittelgroßer Igel frisst innerhalb 24 Stunden die Menge, die in einen 150g Joghurtbecher passt.
Als Grundnahrungsmittel eignen sich Katzennassfutter, Rührei mit wenig Öl (Maiskeimöl), hart gekochte Eier, gekochtes Geflügel oder kurz angebratenes Hackfleisch.

Ungeeignet: Hundenassfutter aufgrund seiner proteinärmeren und kohlenhydratreicheren Zusammensetzung.
Niemals: Einseitige Fütterung von z. B. nur Katzennassfutter / nur Igeltrockenfutter!

Zur Verdauung unverzichtbar, ist das Darunter mischen von Ballaststoffen wie Haferflocken, Weizenkleie oder Igeltrockenfutter.

Empfehlenswerte Futtermischungen:

Achtung: Zusätzliche Vitamin- und/oder Mineralstoffgaben sind nur nach tierärztlicher Verordnung sinnvoll.

Niemals: Fütterung von Obst, Nüssen, Gemüse oder Milchprodukten! Diese können vom Igel nicht verdaut werden und erzeugen Magen- und Darmprobleme!

Gewichtszunahme von Pflegeigeln:

Gewicht des Igels in Gramm Zunahme pro Tag in Gramm
Bis 100 5
100 - 200 5 - 10
200 - 500 10
500 - 1000 10

Verwaiste Igelsäuglinge:
Um die optimale Versorgung der Igelsäuglinge zu gewährleisten, muss man ihr Alter richtig einschätzen können. In erster Linie zählt das Aussehen, an zweiter Stelle steht das Gewicht.

Alter Hautfarbe Stacheln Fell Augen / Ohren Zähne Gewicht (g)
bei der Geburt Rosa Weiß ohne geschlossen keine 12 - 25
1 Woche Rosa einzelne Dunkle ohne geschlossen keine 30 - 50
2 Wochen Grau Dunkel etwas Flaum öffnen sich keine 60 - 80
3 Wochen Grau Dunkel vorhanden offen stoßen durch 100 - 130
4 Wochen Grau Dunkel dicht offen vollzählig 140 - 180

Ungeziefer:
Flöhe, Zecken, Fliegeneier und –maden sorgfältig absammeln.

Niemals: Einsatz von Insektiziden und Baden der Igelsäuglinge!

Unterbringung:
Igelsäuglinge brauchen ständig Wärme. Als Nest eignet sich ein kleiner Karton. Eine mit Handwarmen Wasser und zusätzlich mit einem Handtuch umwickelte Wärmflasche in den Karton legen, den Igelsäugling darauf setzen und mit einem weiteren Handtuch zudecken.
Den Inhalt der Wärmflasche nach jeder Fütterung erneuern.

Markieren und Wiegen:
Zur Unterscheidung der Igelsäuglinge werden diese an verschiedenen Stacheln mit Acylfarbe oder Nagellack vorsichtig markiert.
Gewogen werden die Igel einmal täglich zur selben Zeit, das Gewicht in einer Wiegeliste notiert.

Fütterung:
Bewährt hat sich der Einsatz einer 2ml Einwegspritze, ohne Kanüle.

Ungeeignet: Pipetten oder Puppenmilchflaschen!

Zur Fütterung wird der Säugling auf dem Rücken in die linke Hand gelegt und mit dem Daumen festgehalten. Tritt er mit den Vorderfüßchen gegen diesen, handelt es sich um den „Milchtritt“.
Zur Aufzucht geeignet sind nur spezielle Präparate vom Tierarzt! Das Präparat nach Anweisung anrühren, evtl. unter Zunahme von ungesüßtem Fencheltee. Zusätzlich gibt man einen Tropen Vitamin-B-Komplex einmal täglich für alle Igelsäuglinge dazu.
Als Erstversorgung (nicht länger als einen Tag) eignet sich lauwarmer ungesüßter Fencheltee. Flüssigkeit ist wichtiger als Nahrung!

Die Futtermenge sollte pro Tag, über 24 Stunden verteilt, ca. ein Viertel des Körpergewichts betragen. Bis Augen und Ohren geöffnet sind, verabreicht man den Igelsäuglingen tagsüber acht, nachts zwei Mahlzeiten. Schrittweise wird die Anzahl der Mahlzeiten reduziert, die jeweilige Nahrungsmenge aber erhöht. Säuglinge ab einem Gewicht von etwa 100g benötigen nur noch fünf Mahlzeiten.

Ca. ab dem 19. Lebenstag, bekommen die Jungigel zusätzlich Ersatzmilch in einem flachen Schälchen angeboten. Nach und nach wird dann festes Futter (zerkleinert) untergemischt. Die Menge der festen Fressens wird immer weiter gesteigert. Ab etwa dem 30. Tag bekommen Jungigel nur noch festes (zerkleinertes) Futter. Ab nun wird nur noch Wasser zum Durst löschen gereicht – keine Milch mehr!

Ungeeignet: Menschenbabynahrung (außer zur Erstversorgung), Ersatzmilch, Kuhmilch, Grießbrei, Reis- und Haferschleim, sowie Zugaben von Honig, Traubenzucker und Multivitamintropfen!

Toiletting:
Igelsäuglinge benötigen Unterstützung, um Kot und Urin abzugeben. Der Mensch muss, als Ersatz für die fehlende Igelmutter, dazu nach jeder Mahlzeit mit einem angefeuchteten Finger oder Wattestäbchen solange Bäuchlein und Geschlechtsteile massieren, bis sich Erfolg einstellt. Babykot besteht aus grünen, aneinanderklebenden Kügelchen.

Zwangsfütterung:
Grundsätzlich gilt: Igel, die sehr krank und schwach sind, und bei denen eine Zwangsfütterung notwendig ist, müssen immer dem Tierarzt oder der Igelstation vorgestellt werden.
Die Zwangsernährung erfolgt mit einer Einmalspritze ohne Kanüle. Den Igel dazu auf den Rücken legen und in leicht sitzender Stellung füttern.
Geeignet ist, zur Erstversorgung, Babygläschennahrung – Fleischzubereitung püriert ab dem 4. Monat. Bei längerer Zwangsernährung muss ein hochwertiges spezielles Futter vom Tierarzt geholt werden.

Vier- bis fünfmal täglich werden je 10 bis 30ml des Futterbreis seitlich ins Mäulchen gefüttert. Zusätzlich sollte immer ein Teller mit normalem Futter im Gehege stehen, damit der Igel Gelegenheit hat, so bald wie möglich selbständig zu fressen.

Krankheiten:
Bei nicht sichtbaren äußerlichen Verletzungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Innenparasiten an Schwäche und/oder Magerkeit des Igels schuld. Zu den Innenparasiten gehören Lungenhaar- und Lungenwürmer, Darmhaar- und Darmsaugwürmer, Kokzidien, Kryptosporidien und Bandwürmer. Ein geringer Befall von Innenparasiten ist bei Wildtieren absolut normal, ein Massenbefall jedoch kann tödlich sein. Nahrungsverweigerung, Husten oder röchelnde Atmung sind sichere Anzeichen für massiven Lungenwurmbefall.

Andere Krankheitsanzeichen können sein:

Sehr schwache Tiere sind zudem nicht mehr in der Lage, sich zusammen zu rollen.

Nach jedem Kontakt mit einem Igel gilt: Hände gründlich waschen!

Auswilderung:
Handaufgezogene Igel müssen grundsätzlich über ein Freigehege an die Natur und ihren späteren Lebensraum gewöhnt werden. Dieses muss dafür am Ort des Auslassens stehen!

Mit einem Gewicht von 220 bis 250 g, bei fortgeschrittener Jahreszeit mit dem höheren Gewicht von bis zu 400g (Ende September) setzt man die Jungigel in das Freigehege. Sie müssen dort lernen, natürliche Nahrung aufzuspüren und Beute zu überwältigen, erhalten aber zusätzlich weiter das gewohnte Futter. Nach ca. zwei Wochen wird das Gehege geöffnet.

Freigehege:
Die Gehegefläche sollte mindestens eine Größe von 4m² haben, kann aber nie groß genug sein. Als Zaunmaterialien eignen sich Holzbretter, sehr feiner Maschendraht oder halbrunde Palisadenhölzer. Der Zaun muss mindestens 50cm hoch sein und 10 bis 15cm in den Boden eingegraben werden. Ein Baum oder Gebüsch spendet den notwendigen Schatten, Dachpappe, Folie oder ähnliche Materialien halten den Regen ab.
Auch im Freigehege ist Sauberkeit oberstes Gebot. Einmal täglich müssen Futterreste entfernt und Schüsseln heiß gespült werden.

Winterschlaf in Pflege:
Grundsätzlich ist immer anzustreben, gesund gepflegte Igel bzw. aufgezogene Igel mit dem erreichten Aussetzgewicht im Herbst auszuwildern.

Erreicht ein Igel in Pflege sein ausreichendes Gewicht für den Winterschlaf (optimal 600-700 g) nicht, muss bis zum Frühjahr gewartet werden.

In diesem Fall muss dem Igel dennoch die Möglichkeit des Winterschlafes gewährt werden. Sein Gehege muss daher auf den Balkon, die Terrasse, in ein Gartenhäuschen oder im Garten aufgestellt werden.
Die Umgebungstemperatur muss der Außentemperatur entsprechen!
Wegen der direkten Sonneneinstrahlung ist ein Südplatz zu vermeiden!

Das bisher benutzte Schlafhäuschen setzt man in ein etwas größeres Holz- oder Spanplattenhäuschen (etwa 40cm Kantenlänge) und isoliert zwischen beiden Häusern sowie Ober- und Unterseite mit reichlich zusammen geknülltem Zeitungspapier. In das Überhaus muss ebenfalls ein deckungsgleiches Schlupfloch gesägt werden.

Ungeeignet: Styropor o.ä., da nicht atmungsaktiv!

Ungeeignet: Kellerräume! Der Igel fällt hier lediglich in einen kräftezehrenden „Dämmerschlaf“ in dem er weder fressen noch winterschlafen kann!

Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat, wird weiter solange normal weitergefüttert, bis er das Futter nicht mehr anrührt. Auslauf und Häuschen bis dahin wie gewohnt reinigen.

Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man vor das Schlupfloch ein Stück Toilettenpapier zur Überprüfung, ob der Igel wieder aufgewacht ist. Für alle Fälle sollten im Gehege immer Wasser und Igel- oder Katzentrockenfutter stehen.

Kurze Unterbrechungen des Winterschlafes sind normal. Wird der Igel durch ansteigende Außentemperaturen wach und verlässt sein Schlafhaus, so füttert man normale Nahrung, bis er sich erneut zum Winterschlaf zurückzieht.

Aufwachen / Auswildern:
Meist Ende März bis Mitte April wacht der Igel aus dem Winterschlaf auf und hat dann stark an Gewicht verloren. Um diese Jahreszeit findet der Igel allerdings noch sehr wenig Futter. Mit dem Auswildern muss daher bis gewartet werden, bis das Auswilderungsgewicht von 600-700 g bei Jung-Igeln und 1000-1400g bei erwachsenen Igeln erreicht ist.

Das Anfüttern dauert nach dem Winterschlaf ca. 2-3 Wochen. Das Auswildern sollte nach Möglichkeit am Fundort geschehen, da Igel ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis haben und sich so gleich wieder orientieren können. Den Übergang zum Leben in Freiheit erleichtert man dem Igel, in dem man ihn am Auswilderungsort noch eine Weile zufüttert.

Bei aufgenommenen Jungigeln, die unter 250g gewogen haben, liegt keine Naturerfahrung vor. Diese müssen immer über ein Freigehege ausgewildert werden. Die Futterstelle im Gehege ist nach der Öffnung noch für ca. 2 Wochen mit Futter und Wasser zu versorgen.

Gute Lebensräume sind durchgrünte Siedlungsrandbereiche mit durchlässigen Zäunen, eingewachsenen Gärten und älterem Busch- und Baumbestand.

Ungeeignetes Auswilderungsgelände: Nadel- und Laubhochwälder, steile Hanglagen, felsige Böden, Rekultivierungsbereiche und ausgeräumte landwirtschaftliche Flächen, Baustellen, Gebiete mit regelmäßigem Insektizideinsatz, sowie die unmittelbare Nähe zu stark befahrenen Straßen!

Igelgerechter Garten

  1. Durchgang zu anderen Gärten ermöglichen
    Igel durchstreifen bei der Nahrungssuche große Gebiete. Als Umzäunung gut geeignet sind Hecken und Zäune, die nicht mit dem Boden abschließen. Drahtzäune mit großmaschigem Draht stellen für Igel eine Verletzungsgefahr dar, da sich der Igel in den Maschen verfangen kann. Diese Zäune sollten daher ebenfalls nicht bis auf den Boden reichen. Stütz- und Gartenmauern sollten Durchschlüpfe enthalten.
  2. Keine Gifte einsetzen
    Unkrautvernichter und Pflanzenschutzmittel töten Insekten, das Grundnahrungsmittel der Igel. Im Garten sollte auf den Einsatz von Chemie ganz verzichtet werden.
  3. Keinen Kunstdünger verwenden
    Komposterde, Gesteinsmehl, Rindenmulch und andere natürliche Dünger reichern den Boden an und sind für Tiere unschädlich.
  4. Nur einen Teil des Gartens mähen
    Auf kurzgeschorenem Rasen finden Igel Regenwürmer und Insekten. Unter Hecken und am Rand des Gartens sollte höchstens zweimal im Jahr gemäht werden – und nur nach ausgiebiger Inspektion.
  5. Nur einheimische Stauden und Gehölze pflanzen
    Einheimische Gewächse bilden die Lebensgrundlage für vielerlei Insekten, Vögel, Kleinsäuger und Igel, da sie unserem Klima besser angepasst sind als exotische Pflanzen. Zusätzlich zu heimischen Wildsträuchern gehören Reisig- oder Komposthaufen, Wildblumenwiesen, Trockenmauern, Wege und Plätze mit unversiegelten Böden, die Brennnesselecke, begrünte Fassaden oder Insektenquartiere dazu.
  6. Laub liegen lassen
    Laub von Bäumen, Sträuchern und Hecken ist eine natürliche Nahrung für den Boden. Das Laub ist voller Leben und beheimatet Nahrungstiere für Igel. Zudem ist Laub ein wichtiges Material für Igelnester.
  7. Wasserstellen einrichten
    Ein kleiner Gartenteich mit flach auslaufendem Ufer bewahrt Igel im Sommer vor dem Verdursten. Alternativ bietet sich eine flache, standfeste Schale an, die täglich mit Wasser gefüllt wird.
  8. Keine Gartenabfälle verbrennen
    Grundsätzlich sollten Gartenabfälle nicht verbrannt werden, da sie der bevorzugte Aufenthaltsort von Igeln sind. Sollte ein Verbrennen dennoch unumgänglich sein, sollte der Haufen vorab vorsichtig umgesetzt werden.
  9. Igelfallen entschärfen
    Gartenteiche mit steilen Ufern, Schwimmbecken, ebenerdige nicht abgedeckte Kellerfenster und Gruben stellen Igelfallen dar. Entschärft werden können diese mit Zäunen, engmaschigem Draht, Brettern, Abdeckungen oder Ausstieghilfen. Ebenfalls stellen Mausefallen eine erhebliche Gefahr für Igel dar.
  10. Vogelnetze richtig anbringen
    Die Netze müssen straff gespannt sein und ca. 40cm zum Boden haben, damit sich Igel und Vögel nicht darin verfangen können.

Igelunterschlüpfe und Igelhäuser:
Mit einfachen Mitteln lassen sich Unterschlüpfe für Igel einrichten.
Ein zusätzliches Angebot stellen Igelhäuser dar. Igelfutterhäuschen müssen regelmäßig gereinigt werden. Am besten stellt man sie auf Steinplatten, die sich gut abspritzen und/oder abbürsten lassen.

Igel-Pflegeprotokoll:
Pflegeprotokoll – immer zum Tierarzt oder zur Igelstation mitnehmen!
Hinweis: Eine Druckversion des Protokolls steht am Ende der Igel-Informationsbroschüre zur Verfügung.

Igel-Nr. oder Name Geschlecht
Finder (Name und Adresse)
Telefon E-Mail
Fundort (mit PLZ)
Funddatum und -Uhrzeit
Grund der Aufnahme / Umstände / Zustand des Igels
Datum Auswilderung Ort der Auswilderung
Datum Uhrzeit Gewicht (g) Medikamente / Behandlungen Bemerkungen
         
         
         
         
         
         
         
         
         

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Igel

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Infobroschuere Igel.pdf (499 KB)